kathas welt

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Archiv für Lesen

Gute Nachrichten

Liebe Leute,

was hat Euch heute fröhlich gemacht? Was war Euch heute wichtig? Habt ihr Euch über eine gute Nachricht gefreut?

Wenn man die Medien verfolgt, kommt man ja eigentlich aus dem Sorgen Machen nicht mehr raus. Die heutigen Tagesschauthemen, welche nach meinem Verständnis den Anspruch haben, das „Wichtigste“ des Tages zusammenzufassen, lesen sich wie folgt: Deutschland zur Euro-Krise, EU-Finanzkrise, möglicher Staatsbankrott in Griechenland, Industrieunfall in Frankreich, Sorgen wegen erstem AKW in Iran… Alles „schlechte Nachrichten“.

Anders geht das auf der (noch nicht ganz so schick designten) Webseite: „weSmile Gute Nachrichten„. Dort steht in der Kategorie „Tagesgeschehen“: China: Bergleute nach einer Woche unter Tage gerettet, Deutschland schafft Ökostrom-Rekord, Schäuble feiert hohes Steuerplus… Hier dürfen gute Nachrichten (gefunden auf den Unterseiten der gängigen Medien) das „Wichtigste des Tages“ sein. Hey, Kompliment, gute Nachrichten! 😉

Wer entscheidet eigentlich, was am Tag wichtig ist?

Herzlich und gute Nacht, Eure Katha

ps: Empfehlen mag ich an dieser Stelle FROH!, das „Magazin für die schönen Tage des Jahres“. Renommierte Autoren und (fast schon literarischer) Journalismus ohne Zeitdruck, mit Liebe zum Detail, Schönheit und einem tollen roten Faden je Heft.

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Die Gießkanne der Begeisterung

Heute möchte ich Euch gern ein Buch empfehlen: „Was wir sind und was wir sein könnten“ von Gerald Hüther. Der Neorobiologe möchte mit dem Buch „Mut machen“. Und zwar dafür, dass unser Gehirn entgegen der bisherigen Ansichten wunderbar dazu fähig ist (in jedem Alter), sich zu verändern und neu zu denken (neue „Nervenautobahnen“ zu entwickeln). Was es dazu brauche, sei eine „Gießkanne der Begeisterung“, sie sei der „Dünger fürs Hirn“. Wir sollten Geschichten erzählen, die „unter die Haut gehen“. Nur wenn sich jemand richtig begeistere, setze sich diese Gießkanne in Gang und könne den Nährboden für Veränderungen im Denken und Handeln bilden.

Hüthers Buch, also das eines naturwissenschaftlichen Hirnforschers, ist ein Plädoyer für die Wiederentdeckung der Relevanz des Empfindens und der Gefühle, um „unsere Potentiale entfalten zu können“.

Über diese Gießkannen-Nachricht freue ich mich natürlich sehr, denn das ist es, was ich mit kathas welt und Schöne neue Welt delüx! versuche: Menschen dazu zu begeistern, „nachhaltig“ zu leben und Freude an unseren vielen schönen Lebensmöglichkeiten wiederzuentdecken.

Herzlich, Eure Katha

Zurück zum Sonntagsbraten?

Am Frankfurter Hbf erhielt ich letzten Sonntag eine schöne, dicke Sonntagszeitung geschenkt. Ich habe mich sehr auf eine Stunde gemütliche Lektüre im Zug nach Köln gefreut. (Auch etwas sehr grandioses: in nur einer Stunde und ohne Stau von Frankfurt nach Köln!)

Ich fing also an zu lesen und natürlich ging es auch um EHEC. Ich hatte den „Skandal“ nicht jeden Tag verfolgt und machte mich also daran, mich in einer Wochenzeitung mal fundiert darüber zu informieren. Was stand dort unter anderem? Die Ära des Fleisches sei nun wieder angebrochen. Gemüse könne man nun nicht mehr guten Gewissens essen. Man hatte beim Lesen den Eindruck, dass sich der Autor freue, dass dem Gemüse nun auch einmal ein Skandal anhaftet. (Leider kann man den Artikel online nicht verlinken.)

Mh. Das machte mich nachdenklich… Warum diese Häme dem Gemüse gegenüber? Da geht es plötzlich nicht mehr um den Darmkeim, sondern um die Fleisch-Essen-Frage.

Fleisch oder nicht Fleisch – das ist hier die Frage

Das Thema Fleisch Essen ist etwas sehr persönliches und spaltet viele Geister (dieser Blogeintrag ist auch wirklich nicht der Einfachste, den ich bisher geschrieben habe 😉 ). Einerseits gehört Fleisch Essen zu unserer Kultur (ich sage nur Sauerbraten, Bratwurst, Fleischpflanzerl oder z.B. auch das wunderbare Hirschragout meiner Oma an Weihnachten), andererseits gibt es einen starken Trend dazu, das Fleisch Essen prinzipiell zu hinterfragen und Vegetarier zu werden. Es ist vom Verstand und von ethischen Anschauungen her durchaus sinnvoll, auf Fleisch zu verzichten.

Einmal wegen der Massentierhaltung und der ganzen Lebensmittelindustrie, die unter anderem im Buch Tiere essen, das sich millionenfach verkauft, eindrücklich geschildert werden. Und auch wegen des Klimawandels: Wenn man ein Steak isst, kann man sich schnell als Klimasünder fühlen, weil man durch seinen Genuss die „Produktion“ von Methan pupsenden Kühen (und ihrer Futtermittel), den Ressourcenverbrauch und damit den Anstieg des Klimas unterstützt.  Somit ist man quasi mit verantwortlich dafür, dass es vielen Tieren und Menschen auf der Welt schlecht geht – nur weil man Fleisch isst. (Und natürlich gibt es noch mehr Gründe für den Verzicht auf Fleisch: s. auch „Fleisch essen und Umweltschutz vertragen sich nicht„) Das ist natürlich nicht schön. Wir sollten unser Verhalten zum Fleisch Essen verändern. Aber wie?

Die Sache mit dem Verhalten ändern…

Die meisten Deutschen essen Fleisch (unter 10% der Deutschen sind Vegetarier). Essen ist eben nicht nur Verstehen. Es hat neben der Nahrungsaufnahme viel mit Freude und Genuss und auch mit Gewohnheit zu tun. Man kann es sich einfach machen und das Fleisch-Essen verteufeln, aber dann bewirkt man mit den Vernunft-Argumenten vielleicht sogar eher gegenteilige Reaktionen. Man kann den Artikel in der Sonntagszeitung so interpretieren, dass sich manche Fleisch-Esser heimlich schlecht fühlen, weil sie eigentlich auch selbst Bedenken wegen ihres Konsums haben. Dass sie aber gleichzeitig hin und her gerissen sind, weil sie dennoch ihr Steak oder einen Braten einfach gern genießen möchten. In einer Situation, in der man selbst schon ein kleines schlechtes Gewissen hat, möchte man sich das eigene Verhalten nun höchst ungern auch noch mit dem erhobenen Zeigefinger von anderen vorwerfen lassen – wie es in der Fleisch-Essen-Frage oft passiert. Mit EHEC ist nun endlich mal nicht das Fleisch, sondern das Gemüse der Buhmann.

Nur wegen EHEC ist aber Gemüse natürlich nicht prinzipiell schlecht und auch an den Argumenten zur Massentierhaltung, Lebensmittelindustrie und dem Klimawandel ändert sich nichts. Die Frage bleibt auch nach EHEC die gleiche: Wie verändern wir unser Verhalten zum Fleisch? Wenn der komplette Verzicht für viele zu schwierig ist, fangen wir doch einfach damit an, weniger Fleisch zu essen.

Sonntagsbraten, halbe Vegetarier und vegetarische Köstlichkeiten

Wie so oft, geht das mit positiven Anreizen und Einstellungen bestimmt am besten:

1. Durch bewusstes Genießen: Wie wäre es mit einer Bewegung: „Zurück zum Sonntagsbraten“? (Natürlich in bio 😉 – denn wenn nur am Sonntag, dann kann man sich das auch viel eher leisten.) Früher haben wir ja auch nicht jeden Tag Fleisch gegessen… Wenn etwas nicht allzu alltäglich ist, dann freut man sich meist noch viel mehr darüber! Also auf zu mehr genussvoller Qualität anstatt Quantität!

2. Durch Gemeinschaft: Eine super Anregung liefert hier die Webseite Halbzeitvegetarier: sich einfach mit jemand anderem zusammentun und gemeinsam den Fleischkonsum halbieren. Ihre Logik: „Zwei halbe Vegetarier sind auch ein Ganzer„. So eine positive Herangehensweise finde ich super!

3. Durch das Kennenlernen von richtig leckeren vegetarischen Gerichten (die „delüxe“ Alternative zum Fleisch): Wer auf den Geschmack von vegetarischem oder veganem Essen kommen möchte, dem empfehle ich von ganzem Herzen einen Abend (oder ein Mittag Essen) im BioGourmetClub in Köln, der vor kurzem seine Türen neu am Bahnhof West geöffnet hat. Hier kann man vegetarische Küche von ihrer besten Seite kennenlernen. Und kann sich wundervoll für die eigene Küche inspirieren lassen. (Hier gehts zu einem Video voll des Lobes für diese Küche). Und wird – wer weiß – vielleicht doch irgendwann zum Vollzeit-Vegetarier… 😉

Wenn wir es insgesamt schaffen, etwas mehr Entspannung in die moralische Fleisch-Essen-Debatte zu bringen, dann muss ein Sonntagszeitungs-Autor vielleicht auch nicht mehr so negativ über Gemüse an sich schreiben.

Herzlich,

Eure Katha

Ein enorm schönes Geschenk

Seid ihr gerade auf der Suche nach geeigneten Weihnachtsgeschenken? Als frisch gebackene Beirätin (ich fühle mich ehrlich geehrt!) des Magazins „enorm – Wirtschaft für den Menschen“ fällt es mir nicht schwer, Euch in diesem Jahr zum folgenden, enorm schönen Weihnachtsgeschenk zu raten: Einem Abo dieser Zeitschrift. (Lest auch gern meine Weihnachtstipps zum letzten Jahr unter Früher war mehr Lametta…). Bei mir wird das wohl durchaus auch die eine oder den anderen beehren. 😉

Fanin der ersten Stunde 😉

Seit ihrer 0./Beta-Ausgabe, die uns als Ansichtsexemplar ans Institute for Social Banking gesandt wurde, bin ich ehrlich gesagt begeistert von enorm. Und das sage ich sonst über kaum ein Medium. Klar bin ich irgendwie ein Fan (und Abonnentin) der ZEIT, und auch andere Magazine wie die besondere FROH! oder auch brand eins gefallen mir. Aber es gibt doch immer einen starken Wehmutstropfen bei allen (meine subjektive Einschätzung: ZEIT – manchmal zu selbstgerecht; FROH! – zu wenig aktuell, dafür aber immer schön; brand eins – erscheint mir manchmal zu wenig innovativ in ihren Fragestellungen). Bei enorm habe ich einfach Interesse an fast jedem Beitrag und sie bringt mich weiter, das ist schon echt etwas besonderes!

Ein Aufreger zum Start

Ganz ehrlich: Auch bei der ersten Ausgabe der enorm habe ich mich ziemlich echauffiert. Da wurde im Editorial auf einen „klugen Artikel“ hingewiesen, der sich mit unserem ethisch-korrekten Leben im Alltag beschäftigt („Immer schön sauber bleiben!„). Ihr wisst ja: Das ist mein Herzthema. Und dann muss ich da lesen, dass es im Endeffekt eigentlich nur was bringt, das Haus zu dämmen oder ein kleineres Auto zu fahren. Sonst ist so gut wie alles nicht so wichtig. Ein kleineres Auto fahren? Haus dämmen? Dann kann ich persönlich nichts tun, wenn ich kein eigenes Haus habe und sowieso kein Auto fahre? Hä? Mein eigener ökologischer Fußabdruck ist auch immer noch viel zu hoch – ohne diese beiden Faktoren! Und über die Effekte, die ein generell bewussteres Leben auf das Glücklich Sein hat gar nicht zu sprechen… Ich möchte mich jetzt hier nicht zu lange über diesen Artikel auslassen, aber ich war enttäuscht. Leider hatte ich aber auch zu wenig Zeit, um eine wirklich gute Leserreplik zu schreiben. Also sollte ich mich wohl ein wenig zurück halten.

Unromantisch im guten Sinne

Dennoch: Ich habe seither fast jeden Artikel in jeder Ausgabe der enorm gelesen und fast immer etwas Neues hinzugelernt. Klar, bei manchen Themen weiß man selbst mehr und ist dann kritischer, bei anderen freut man sich über die neuen Einsichten. Und was noch genial ist: es werden wirklich viele tolle Projekte, Initiativen und Gründer gezeigt. Ohne einen romantischen Blick, wie schön die Welt ist, sondern eben mit dem nötigen Elan, zu zeigen, was diese erfolgreichen Menschen eigentlich wirklich erfolgreich macht. Insofern ist es ein Macher-Magazin mit super Hintergrund. Es macht gute Laune, ohne schön zu färbern, und kritisiert, ohne die richtige Prise an Pragmatismus zu verlieren. Was ich mir noch mehr wünsche ist natürlich der noch tiefere Fokus auf das Thema Geld. Aber gerade dafür wurde ich wohl nun etwas enger an das Magazin herangeholt. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit!

Mach et!

Ich hör mal auf mit dem Schwärmen. Und behaupte: wenn ihr kathas welt mögt, dann ist ein enorm Abo einfach das Richtige! Schenkt’s Euch selbst oder Euren Liebsten, die Freude am bewussten Leben ohne den erhobenen Zeigefinger haben. Hier geht das: http://www.enorm-magazin.de/abo.html.

Ach ja: einen Artikel zu schreiben war keine Bedingung, um in den Beirat zu kommen. 😉

Herzlichst, Eure Katha

ps: wenn ihr nun unbedingt etwas anderes verschenken möchtet, stehen natürlich auch tolle delüxe Eierkartons oder Brottüten mit „Mit Liebe geschmiert von…“ Aufdrucken von Schöne neue Welt delüx! zur Verfügung. Oder eine Karaffe mit individuellem Aufdruck, z.B. „Kraneberger“ – oder auch „Rohrperle“. 😉 Aber dafür schaut ihr einfach hier: www.snw-deluex.de.

Wir sind das Geld!

„Warum kann ich wissen, welcher kleinste Bestandteil in meinem Essen drin ist, aber nicht, welche Menschen und Projekte mit meiner privaten Rentenversicherung finanziert werden?“ Diese und weitere Fragen durfte ich mir für die Zeitschrift Info3 stellen und darf den Artikel coolerweise nun auch hier veröffentlichen.

Wir sind das Geld!

Hält man sich wie ich viel in der „Nachhaltig- keitsszene“ auf, ist das nichts Neues: Es gibt öko-soziale Banken, die ausschließlich und für alle transparent in Bio-Läden, erneuerbare Energien oder Kultur investieren. Was das Geld da macht? „Sinn“, heißt es in der aktuellen Kampagne der GLS Bank. Ja, das finde ich auch. Ich finde, es macht grundsätzlich Sinn, sich damit auseinanderzusetzen, was mit unserem Geld geschieht – auf der Bank und bei der Geldanlage. Denn mit Geld gestalten wir die Gesellschaft.
Außerhalb besagter „Öko-Szene“ jedoch ist man als Mensch, der so ein soziales Bankwesen sinnvoll und auch einfach logisch findet, oft eine ziemliche Außenseiterin, die zweifelndes oder staunendes Stirnrunzeln hervorruft. Hierzu zunächst zwei Szenen aus meinem Leben […]

Weiterlesen?

Zum Weiterlesen könnt ihr den Artikel hier herunterladen: Wir sind das Geld!.

Viel Spaß dabei und ich freue mich sehr auf Euer Feedback!

Herzlich, Eure Katha!

Nachlese der 3. Nachhaltigkeitsarena

Soeben komme ich von der 3. Arena für Nachhaltigkeit im wunderschönen Bio-See-Hotel Zeulenroda zurück, bei der ich für das Institute for Social Banking auf einem Podium zum Finanzwesen und zu Wachstumsfragen diskutieren durfte.
Es gibt wieder von vielen spannenden Menschen und Unternehmen zu berichten. 😉

Das Bio-Seehotel

Eines davon ist erst einmal das Bio-Seehotel  Zeulenroda selbst. Wirklich tolle schöne Räume, sehr nettes Personal, ein See zum Spazieren oder Wandern und eine sehr, sehr gute Küche. Nicht umsonst hat das Hotel 4 Sterne. Das einzig wirklich anstrengende an diesem Hotel ist seine Abgelegenheit. Mit dem Zug muss man von den meisten großen Städten Deutschlands mindestens drei Mal umsteigen, um zum kleinen Zeulenrodaer Bahnhof zu kommen – an dem man dann aber von einem netten Shuttle-Service abgeholt wird.
Ob man sich dieses Hotel privat leisten kann, ist für mich eine berechtigte Frage, denn bei mir dauert das wohl noch ein wenig. Aber wer von euch in Unternehmen, Politik oder NGOs arbeitet, die Veranstaltungen organisieren, denen würde ich wärmstens ans Herz legen, dieses Hotel für eure nächste Veranstaltung in Betracht zu ziehen. Die Konferenzräume haben einen genialen Ausblick. Und die technische Ausstattung, Verpflegung und Betreuung lassen echt nichts zu wünschen übrig.

Klimawandel still up-to-date

Gestern morgen durften wir dann dem renommierten Physiker Prof. Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) lauschen. Er ist der persönliche Klimaberater von Angela Merkel, Mitglied im Internationalen Klimawandelrat (IPCC) und in unzähligen Klimawandel-relevanten Gremien ein gefragter Experte. Die wichtigste Botschaft seines inhaltlich sachlichen, charismatisch vorgetragenen Vortrags war, dass trotz der Klimawandelmüdigkeit der nationalen und internationalen Medien der Klimawandel genau wie prognostiziert weitergeht. Nur dass einige Auswirkungen (selbst bei Einhalten des in Kopenhagen vereinbarten 2°C Ziels der Erderwärmung) nach neuen Erkenntnissen wahrscheinlich dramatischer ausfallen als zunächst angenommen. Endlich mal wieder einem Naturwissenschaftler zuhören zu können, der im Gegensatz zu Al Gore in „Eine unbequeme Wahrheit“ nicht nur seine eigene Geschichte, sondern die Fakten sprechen lässt, war einfach sehr erfrischend, wenn auch erschreckend.
Die Relationen
Inspirierend und bedrückend zugleich war der Hinweis auf ein Treffen bei den Vereinten Nationen, wo Schellnhuber mit 40 Staats- und Regierungschefs so genannter „Inselstaaten“ sprach, deren ureigenste Länder in 50 Jahren wahrscheinlich zu großen Teilen durch den Anstieg des Meeresspiegels untergegangen sein werden. Schätzungen gehen davon aus, dass wir im Jahr 2050 ca. 500 Millionen Klimaflüchtlinge geben wird. Wo sollen diese Menschen leben? Der Klimawandel ist eben nicht nur der abstrakte Anstieg der globalen Mitteltemperatur, sondern ein existentielles Problem für das Leben von Abermillionen Menschen. Toll waren auch Schellnhubers Zahlenvergleiche: Beispielsweise haben die USA 3,6 Mrd. US-Dollar an von den Folgen des Klimawandels betroffene Staaten zugesagt, dies entspreche 60 Stunden Irakkrieg…
Den Vortrag kann man sich übrigens im Laufe der nächsten Tage auf http://www.nachhaltigkeitsarena.de kaufen. Ich hoffe, er wird nicht zu teuer, denn ich kann ihn sehr empfehlen. Außerordentlich unterhaltsam und auch lustig war die Präsentation sogar auch!
An dieser Stelle möchte ich auch das kleine, aber feine Büchlein „Der Klimawandel“ empfehlen (7,60€), das Schellnhuber bereits 2006 mit seinem Kollegen Rahmstorf vom PIK geschrieben hat. Alle Daten und Fakten, die man zum Klimawandel wissen muss auf ca. 100 Seiten zusammengefasst. Das ist ein gemütlicher Nachmittag im Park oder Liegestuhl…

KlimaGut AG: In saubere Gebäude investieren

Toll war es auch, bei einem leckeren Kaffee Fabian Tacke, den Gründer der Klimagut AG, kennenzulernen. Ein unterschätzt großer Teil des ökologischen Fußabdrucks in unseren westlichen Gesellschaften wird durch Gebäude und Wohnen verursacht. In Deutschland wird nur ca. 1% der Gebäude pro Jahr saniert („Gebäudesanierungsquote“). Wo wir da in der durchschnittlichen Aktualität in punkto Effizienz und Nachhaltigkeit unserer Gebäude stehen, ist ganz schön gruselig. Irgendwo in den 1960ern… Dies zu ändern, ist Fabians Ziel mit der KlimaGut Immobilien AG, deren Initiatoren sich als „Die Pioniere für nachhaltige Immobilienanlagen“ verstehen. Hier kann man in die nachhaltige Gebäudesanierung investieren, was ich absolut klasse finde. Denn durch den großen Anteil der Gebäude am ökologischen Fußabdruck, setzt KlimaGut an einer genau richtigen Stelle an, wo wirklich signifikant etwas verändert werden kann. Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg und vor allem viele neue Investoren und Projekte!

So, jetzt habe ich doch „nur“ von drei anstatt von „vielen“ Menschen bzw. Unternehmen berichtet. Natürlich habe ich auch noch sehr viele andere spannende Leute bei der Arena für Nachhaltigkeit getroffen. Aber für heute reicht das ja erst einmal… 😉
Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr mir wie immer schreiben oder einfach einen Kommentar hinterlassen. Eure Katha
p.s.: Auf der Rückfahrt im Zug (ähem in den insgesamt vier Zügen…) habe ich dann nach langer Zeit endlich mal wieder das Magazin „forum Nachhaltiges Wirtschaften“ gelesen, das ich an dieser Stelle noch einmal allen sehr empfehlen möchte, die sich für Nachhaltigkeit und Wirtschaft interessieren. Auch wenn manche die Anzeigenpolitik der Zeitschrift kritisieren, stehen dennoch interessante Artikel darin.

„Am Ende gewinnt immer die Bank.“

Das ist der Schluss, zu dem Kerstin Kohlenberg, Mark Schieritz und Wolfgang Uchatius in ihrem wirklich sehr empfehlenswerten ZEIT-Artikel „Als das Geld vom Himmel fiel“ vom 14. Januar 2010 kommen. Es geht darum, was eigentlich aus den Geldrettungspaketen der Zentralbanken geworden ist.
Grobes Fazit: Ohne dass die Europäische Zentralbank (EZB) am 24. Juni 2009 1,5 Billionen Euro Geld geschaffen hätte, wäre die Krise wahrscheinlich noch viel schlimmer gekommen. Gleichzeitig ist aber von dem Geld auch nicht wirklich etwas bei der „Realwirtschaft“ angekommen. Das Geld bleibt im Geldkreislauf der (Investment-)Banken und BankerInnen; macht Superreiche immer reicher, sodass sie an die Grenzen der Konsumsteigerung kommen und den Kapitalismus gar nicht noch mehr ankurbeln können; und es fördert leider eben nicht, dass die Ottonormalmenschen wie viele von uns wirklich von der Geldspritze profitieren (was eben dazu führen könnte, dass unsere Wirtschaft durch unser Kaufen wieder stimuliert würde) – vielmehr müssen wegen der enorm gestiegenen Staatsausgaben durch die Krise nun die öffentlichen Angebote wie Theater oder Schwimmbäder leider reduziert werden.
So, genug von mir. Besser und klarer als die drei Autoren kann ich das in der Kürze eh nicht beschreiben ;). Schaut euch diesen wirklich guten, informativen und leicht lesbaren Artikel einfach einmal an. Es lohnt sich!

Mach’s doch anders…

Wer eine ganz alltäglich Alternative fürs Bankgeschäft sucht: Es gibt Banken wie die GLS Bank oder die Triodos Bank, die andere Wege aufzeigen, wie wir mit Geld umgehen können, beispielsweise mit gezielten Krediten an Biobauernhöfe oder Windparks. Und wenn ihr euch ein wenig ausführlicher mit dem Thema Bankwesen auseinandersetzen möchtet, seid ihr herzlich eingeladen, an der „3. International Summer School on Social Banking“ vom 18. bis 23. Juli 2010 in Florenz (si! in Bella Italia!) teilzunehmen, Motto: „Banking on values – what values?“. Da könnt ihr Themen wie Mikrofinanz, Social Banking im Web 2.0, ethisches und islamisches Bankwesen oder auch Bankwesen als Allgemeingut diskutieren.

Natürlich bei leckerem Bio-Wein in der schönen Toskana… So schön könnte es sein, wenn „die Bank gewinnt“! 🙂