kathas welt

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Archiv für Finanzen

„Am Ende gewinnt immer die Bank.“

Das ist der Schluss, zu dem Kerstin Kohlenberg, Mark Schieritz und Wolfgang Uchatius in ihrem wirklich sehr empfehlenswerten ZEIT-Artikel „Als das Geld vom Himmel fiel“ vom 14. Januar 2010 kommen. Es geht darum, was eigentlich aus den Geldrettungspaketen der Zentralbanken geworden ist.
Grobes Fazit: Ohne dass die Europäische Zentralbank (EZB) am 24. Juni 2009 1,5 Billionen Euro Geld geschaffen hätte, wäre die Krise wahrscheinlich noch viel schlimmer gekommen. Gleichzeitig ist aber von dem Geld auch nicht wirklich etwas bei der „Realwirtschaft“ angekommen. Das Geld bleibt im Geldkreislauf der (Investment-)Banken und BankerInnen; macht Superreiche immer reicher, sodass sie an die Grenzen der Konsumsteigerung kommen und den Kapitalismus gar nicht noch mehr ankurbeln können; und es fördert leider eben nicht, dass die Ottonormalmenschen wie viele von uns wirklich von der Geldspritze profitieren (was eben dazu führen könnte, dass unsere Wirtschaft durch unser Kaufen wieder stimuliert würde) – vielmehr müssen wegen der enorm gestiegenen Staatsausgaben durch die Krise nun die öffentlichen Angebote wie Theater oder Schwimmbäder leider reduziert werden.
So, genug von mir. Besser und klarer als die drei Autoren kann ich das in der Kürze eh nicht beschreiben ;). Schaut euch diesen wirklich guten, informativen und leicht lesbaren Artikel einfach einmal an. Es lohnt sich!

Mach’s doch anders…

Wer eine ganz alltäglich Alternative fürs Bankgeschäft sucht: Es gibt Banken wie die GLS Bank oder die Triodos Bank, die andere Wege aufzeigen, wie wir mit Geld umgehen können, beispielsweise mit gezielten Krediten an Biobauernhöfe oder Windparks. Und wenn ihr euch ein wenig ausführlicher mit dem Thema Bankwesen auseinandersetzen möchtet, seid ihr herzlich eingeladen, an der „3. International Summer School on Social Banking“ vom 18. bis 23. Juli 2010 in Florenz (si! in Bella Italia!) teilzunehmen, Motto: „Banking on values – what values?“. Da könnt ihr Themen wie Mikrofinanz, Social Banking im Web 2.0, ethisches und islamisches Bankwesen oder auch Bankwesen als Allgemeingut diskutieren.

Natürlich bei leckerem Bio-Wein in der schönen Toskana… So schön könnte es sein, wenn „die Bank gewinnt“! 🙂

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Treffe den Happy Planet

www.happyplanetindex.org

Nächste Woche wird es spannend: Ich werde in London Leute von der New Economics Foundation treffen, die unter anderem den „Happy Planet Index“ entwickelt haben. Dieser Index bewertet Länder nicht wie das sonst immer gemacht wird (Stichworte „Exportweltmeister“ und „Bruttoinlandsprodukt„) nach ihrer wirtschaftlichen Leistung, sondern danach, wie lang Menschen dort glücklich leben und wie groß ihr ökologischer Fußabdruck ist.

Mehr Geld macht nicht immer glücklich

Das hört sich natürlich ein bißchen verrückt an, hat aber international schon viel Anerkennung gewonnen. In Zeiten des Klimawandels und der Ressourcenknappheit (wir in Deutschland leben z.B. so, als hätten wir mehr als drei Erden zur Verfügung) ist es sinnvoll, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wie man „lebenswert“ eigentlich definiert und wie man das misst. In den bisherigen Rankings wird Zufriedenheit und Wohlstand meist über die Einkommenshöhe gemessen, aber es ist ja berechtigt zu fragen, ob die stetige Steigerung des Geldes auf dem Konto auch wirklich zu einer stetigen Steigerung des „Wohlstands“ führt. Die „Glücksforschung“ hat herausgefunden, dass ab einem bestimmten Einkommen (bei uns ca. 20.000 € im Jahr) die Steigerung des Gehalts nicht mehr mit einer Steigerung des Glücksempfindens einhergeht (und ein weiterer Link dazu). Also braucht man offenbar noch andere Faktoren außer dem Einkommen, um zu erforschen, wie wir „gut“ leben können. Der Happy Planet Index macht da wie ich finde einen Schritt in die richtige Richtung.

Oxford

Bild 3Außerdem werde ich nächste Woche an der Uni Oxford eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wie kann verantwortliches Investment Finanzkrisen vermeiden?“ moderieren. Ich bin sehr gespannt, was bei der Diskussion heruaskommt. Dabei sind Vertreter von UN PRI, delsus und der Uni Oxford und wir werden uns stark darauf konzentrieren, nach konkreten Lösungen zu suchen. Für Studenten besteht im Anschluss die Möglichkeit, ein oikos Local Chapter an der Uni zu gründen, um sich direkt aktiv für nachhaltiges Wirtschaften einzusetzen.

Bin schon sehr gespannt, was da auf mich zukommt! Herzlich, eure Katha

Bankgeheimnis – oder doch nicht?

banksecretsUnter www.banksecrets.eu könnt ihr tolle Dinge über die Investitionen einiger Banken erfahren. Eine Internetseite, auf der man sich direkt ein bisschen aufregend konspirativ vorkommt… Hilfreich: Eine Checkliste mit möglichen Fragen für das Gespräch mit deiner Bank.

Man könnte sicherlich noch mehr Informationen auf www.banksecrets.eu stellen, aber sie ist schon wirklich ein klasse Anfang, um sich mal kritisch mit seiner eigenen Bank auseinanderzusetzen. Und die entscheidende Frage zu stellen: Was macht die Bank mit meinem Geld? Und warum erzählt sie mir nichts davon?

Es geht doch auch anders…

business as unusual

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Besonders empfehlen möchte ich heute den Blog [chaos as usual], auf dem der Österreicher Thomas Strobl tolle Interviews und Artikel rund um das chaotische „business as usual“ schreibt. Eigentlich findet hier eher das „business as unusual“ ein Zuhause, was gerade das Spannende an diesem Blog ist. Und das, obwohl es ein Blog der FAZ ist. 😉 (Aber gut, man munkelt ja, die Internetseite der FAZ sei da ganz anders…)

Heute darin zu finden: „Der Kapitalismus ist ein Kettenbrief“.

Viel Spaß beim Lesen!

„Nachhaltigkeit bekommt ein Zuhause“ – Irrungen und Wirrungen im Finanzsektor

Greenwashing der feinsten ArtUi, es schaudert mich, wenn mir auf der Homepage der Deutschen Bank dieses Zitat ins Auge hüpft: „Nachhaltigkeit bekommt ein Zuhause“… Da darf man ruhig fragen: Seit wann ist die Deutsche Bank ein Synonym für Nachhaltigkeit? Es ist nämlich die Deutsche Bank, die da in Frankfurt gerade „ein neues Zuhause“ bekommt und nicht – wie das Sprüchlein suggeriert – die liebe, gute, alte, grüne, heiß diskutierte und viel hinterfragte Nachhaltigkeit.

öko-lügeWer Stefan Kreutzbergers sehr, sehr empfehlenswertes Buch (mit dem leider irre führenden Titelbild) „Die Öko-Lüge“ gelesen hat, diagnostiziert ohne mit der Wimper zu zucken: Das ist „Greenwashing“! (Zu den sechs Merkmalen von Greenwashing gehts hier. Im Buch ist dem Thema „Greenwashing“ das erste Kapitel gewidmet.)

Eine ganz wichtige und richtige Frage wird ganz im Gegensatz zur genannten Bank unter http://www.gruenes-geld.de/ gestellt, nämlich: „Was passiert eigentlich mit meinem Geld?“ Wer das wissen möchte, hat derzeit noch einige Schwierigkeiten zu bewältigen… Erstmal gehen 19,9 % des Otto-Normal-Einkommens (wie dem meinen) in die Rentenversicherung. Aha. Was passiert denn dort? Die Renten-Fonds legen das Geld an. Und leider, leider achten sie dabei nur auf die Rendite (das ist natürlich auch wichtig – sonst hätten wir ja noch weniger Rente -, sollte aber nicht das einzige Kriterium für Investment sein. Mit Investment kann man schließlich ungemein viel beeinflussen, hat also Macht, etwas zu verändern).

Was machen die da mit meinem Geld?!?

Tja, und so kann es kommen, dass ich mir den Film „Let’s make money“ ansehe und nicht glauben kann, wie die Investoren gigantische Geisterstädte mit Wasser verschlingenden Golfplätzen in Spanien gebaut haben (und bauen!), in denen nun keiner Ferien machen will und die eine große Mitverantwortung für die Verwüstung Spaniens tragen. Ich war aber gleichzeitig ziemlich wahrscheinlich mit meinem Renten-Fonds an deren Bau beteiligt.

Hilfe! Mich schaudert…

Hoffnung bietet da nur ne richtig gute Bildung, die einem hilft, etwas auch im goßen Spiel zu verändern (Apropos Spiel, der Ökonom Keynes, der heutzutage wieder als Lichtgestalt aus der Mottenkiste gezogen wird, hat ein unreguliertes Finanzsystem, wie wir es heute haben, übrigens als Kasino bezeichnet). Da kann ich mal wieder als Einstieg Caspar Dohmens Buch „Let’s make money“ empfehlen. Oder eben die neue Ausgabe der „Aus Politik und Zeitgeschichte“ zu Geld.

Und glücklicherweise gibt es ja auch noch den Netto-Lohn und unsere Freizeit, über deren Verwendung wir selbst bestimmen können! Und um da ein bisschen schlauer zu werden, wie man verantwortlich handeln kann, gibts www.utopia.de, www.karmakonsum.de und einige andere, darunter auch die kleine kathas welt… 😉

Geld – das ist hier die Frage!

APuZDie neue „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (APuZ) widmet sich dem Thema „Geld“ – sehr spannend stelle ich mir die Artikel gerade in der aktuellen Zeit vor.

Unter den Autoren befindet sich kein geringerer als Hans Christoph Binswanger, der schon seit Jahrzehnten auf höchstem akademischen Niveau mit seinen Publikationen vor grenzenlosem Wachstum warnt (u.a. „Die Wachstumsspirale„, 2006). In der aktuellen APuZ beleuchtet er „Die Rolle von Geld und Kapital in unserer Gesellschaft“. Schade, letztes Jahr hätte ich ihn im Anschluss noch bei der Kaffeepause am IWÖ in St.Gallen dazu interviewen können… (Dort war ich als oikos International Präsidentin 2008 untergebracht.)

Auch auf die weiteren Artikel freue ich mich sehr, u.a. „Probleme und Chancen der deutschen Bankenlandschaft“ von Harald Klimenta und „Wie gehen die Deutschen mit Geld um?“ von Stefan Hradil. Das interessiert mich doch sehr. Denn ich persönlich bin eigentlich dazu erzogen worden, keine Schulden zu machen; und mittlerweile habe ich gelernt, dass unser gesamtes Wirtschafts- und Geldsystem nur funktioniert, weil wir alle immer neue Schulden machen. Ja, durch Schulden Machen entsteht neues Geld, nämlich Wertpapiere!

cover_money_final.inddAlso: was machen wir eigentlich mit unserem Geld? Erste Antworten finden sich in einem super Buch für alle, die sich für das Thema „Was passiert mit meinem Geld?“ interessieren: Caspar Dohmens „Let’s make money“.

Wermutstropfen bei der APuZ Ausgabe (muss ja irgendwie immer dabei sein…): Warum hat keine Frau etwas zum Thema zu sagen?

Viel Freude beim Informieren, eure Katha

Studieren für ein Soziales Bankwesen

ISB_logoBeim Institute for Social Banking kann man einen innovativen Masters zu Social Banking studieren. Mehr dazu kann ich euch gerne mitteilen, wenn ihr mir schreibt. Oder ihr lest meinen kleinen Einführungsartikel auf nachhaltigkeit.org.

Eine Mitgliedsbank des Instituts for Social Banking ist übrigens die GLS Bank in Bochum, die auch die Karmakonsum Konferenz mitsponsort.

Ich freue mich bereits darauf, die verschiedenen Speaker und Teilnehmer morgen dort zu treffen!

Liebe Grüße, die Katha