kathas welt

wissenswertes, spannendes und skurrilles rund ums thema nachhaltigkeit

Das mit dem Skifahren

Vorletztes Wochenende war ich im Allgäu Ski-Fahren. Ein Dilemma für den ökorrekten Menschen.

Die erste Reaktion von meinen Leuten ist häufig: „Jaja, Katha, das ist ja totaaaal nachhaltig…“ Ich finde auch nicht, dass sich das so besonders nachhaltig anfühlt. Fünfeinhalb Stunden in den Süden Deutschlands fahren und dort drei Tage lang auf der Grasnarbe rumdüsen – ne, nachhaltig hört sich irgendwie anders an (Ich werde in einem meiner nächsten Beiträge einmal recherchieren, ob Skifahren wirklich so schlimm ist – wahrscheinlich aber schon). Und dann mach das auch noch gerade ich, die ich hier zu Nachhaltigkeit blogge und die ganze Zeit versuche, einen spannenden, coolen und gleichzeitig nachhaltigen Stil zu leben. Mh, dem muss ich auf den Grund gehen? Warum bin ich dahin gefahren?

Ist das bei mir besonders schlimm? Würden auch Leute, die nicht so viel über einen verantwortungsvollen Lebensstil reden, darauf aufmerksam gemacht werden, dass Skifahren vielleicht nicht zum guten Stil des zukunftsdenkenden Menschen gehört… (Oder dass man darüber zumindest nachdenken sollte?) Intuitiv erfahre ich nicht, dass in der gesamtgesellschaftlichen Debatte das Skifahren als „böse“ gebrandmarkt würde. Die normale Reaktion auf einen Skiurlaub ist doch: „Wow, cool, und wie wars in den Bergen? Hattet ihr guten Schnee?“ Bei mir ist das aber meistens anders. Wenn ich gefühlt den Moralapostel raushängen lasse (was nie meine Absicht ist), dann muss man mir offenbar vorhalten, dass das mit der Nachhaltigkeit eben nicht so einfach ist. Was auch stimmt (s. auch die Krux)!😉

Ja zum Anfangen!

Natürlich ist individuelles nachhaltiges Verhalten sehr komplex! Es ist ganz schön schwierig, immer und überall auf alles zu achten: Emissionen, faire Arbeitsbedingungen, kulturelle Förderung, Verhinderung von Bodenerosion und langen Transportwegen und so weiter. Aber das heißt ja nicht, dass man nicht trotzdem schonmal anfangen kann! Darf ich denn nicht Bio-Wein trinken, FairTrade-Kaffee kaufen und einen nachhaltigen Lebensstil propagieren, nur weil ich andererseits ja Ski-Fahren gehe? Ich finde, ich darf (s. auch die super Kolumne von Fred Grimm zur Bio-Lüge-Lüge). Ich finde, dass jede Aktion für die Nachhaltigkeit zählt. Jeder gekaufte Liter Bio-Milch ist im Vergleich zu seiner 45 ct „Normalo-Schwester“ ein guter Liter. Jede Zugfahrt im Vergleich zum Flug eine gute Tat. Und jeder schöne Nachmittag mit Freunden im Park um die Ecke eine super Sache (übrigens eine ziemlich nachhaltige Aktivität, keine Emissionen, kurzer Anfahrtsweg, „sozialen Wert schaffend“, Entspannung, Freude – perfekt begleitet von einem Bio-Bier😉 ). Natürlich ist es nicht egal, wie man sich darüber hinaus verhält, aber dennoch wäre es schade, wenn man nur, weil man nicht 100%ig ökorrekt lebt, gar nicht mehr über die klasse Möglichkeiten eines solchen Lebens reden dürfte. Nachhaltigkeit ist ja mehr als die CO2-Bilanz, sie hat etwas mit einem insgesamt zukunftsfähigen Lebensstil zu tun, in dem Wohlstand nicht nur über das Kriterium des BIPs berechnet wird (s. auch Vorschläge zu beyond GDP).

Nachhaltigkeit ist Lebensfreude

Ich selbst bin sogar bei Flugreisen manchen Menschen gegenüber sehr zurückhaltend, daran direkt etwas auszusetzen. Z.B. sind das Leute mit nicht viel Geld, die sich einfach einmal leisten können möchten, Wien zu sehen, was sie sich mit der Bahn nicht hätten leisten können. Das ist ja prinzipiell erstmal was Schönes: Wien ansehen. Man sollte aber nicht hinfliegen. Genau so ist es einfach ein tolles Gefühl, in den Bergen zu sein, die frische Luft zu atmen und den Berg hinunterzufahren. Sollte man eigentlich auch nicht.

So simpel ist das alles nicht. Nur weil etwas viele CO2-Emissionen ausstößt oder der Natur auf irgendeine Weise Schaden zufügt, ist es nicht unbedingt ohne einen Gedanken darauf zu verwenden zu verteufeln. Im Endeffekt geht es in der Nachhaltigkeit darum, wie wir mit mehr als sieben, acht oder neun Milliarden Menschen, die alle noch sehr viel mehr konsumieren werden als wir das heute schon tun, noch glücklich auf dieser Erde Leben können. Glücklich, zufrieden, angenehm – das seien hier einmal die Begriffe, die für die sicheren Lebenszustände stehen, nach denen fast jeder Mensch strebt. Für viele ist das erstmal, etwas zu Essen zu haben und ein Dach über dem Kopf in einer sicheren Lebensumgebung. Denn so etwas macht das Leben angenehm. Wenn man diesen Komfort hat, dann kann man sein Leben „gestalten“: mit Bildung, sich Gedanken über einen interessanten Job machen, schöne Hobbies unternehmen, Musik machen, bei sportlichen Kicks Freude finden, sich mit anderen treffen – Spaß am Leben haben… ähem… Ski fahren! Dieser ganze Luxus bringt wiederum viele Emissionen mit sich, aber die Nachhaltigkeit lässt sich eben nicht nur auf unseren ökologischen Fußabdruck reduzieren.

Es geht im Kern um ein glückliches Leben von Mensch und Natur zusammen, die berühmten sozialen, öklogischen und ökonomischen Dimensionen der Nachhaltigkeit. Und Menschen, die alles, was ihnen Freude macht, ablegen müssen, haben keine Lebensfreude mehr – was auch absolut nicht das Ziel einer nachhaltigen Lebensweise ist (Heute nutze ich das Wort Nachhaltigkeit aber doch sehr oft… sorry, das muss leider mal sein).

Mein Fazit: Das Leben ist ein tolles Geschenk – vor allem hier bei uns „im Westen“. Wir können fast alles machen, was wir wollen. Bei vielen Dingen können wir dabei mittlerweile schon sehr einfach auf eine schicke „grüne“ Alternative ausweichen (s. auch dasselbeingrün) – bei anderen nicht. Auf diese muss man wohl oder übel (zumindest im Übermaß) verzichten, wenn man wirklich ökorrekt leben möchte.

Dazu gehört leider das Skifahren – was ich persönlich sehr schade finde…

8 Kommentare»

  Daniel Überall wrote @

Mahlzeit,

hier ein paar Ratgeber-Infos „ökorrekter Wintersport“ http://hub.tm/oXdhl

Schönes WE
Daniel

  kathabeck wrote @

Hi Daniel, vielen Dank für den Link! Meinst du denn, dass man Skifahren ganz lassen sollte, oder dass es „reicht“, wenn man sich an die Ökotipps aus dem Artikel hält? Genieß das WE, Katha

  Martin Herrndorf wrote @

Hi Katha,

Wenn du dich an utopia, hälst, bist du natürlich auf der sicheren Seite🙂 Und Daniel, sehen wir uns mal in München? Bin grad für 2 Wochen da…

Der Artikel wirft aber einige tiefere Fragen auf. Denn deine „Inkonsequenz“ ist natürlich eine bequeme Ausrede für Leute, die selber jetzt vielleicht nicht so viel machen. Und Schuldgefühle beim einem selbst führen eher zur Verdrängung, deswegen: Voll geniessen was man macht (wenn, dann soll es sich lohnen), die Widersprüche ertragen, und sich Schritt für Schritt Richtung Nachhaltigkeit bewegen.

Wie geht man mit den Nörglern? Ihnen zeigen, das man auf nachhaltige Weise mehr Spass hat als sie, ohne sich wegen der eigenen Inkonsequenz zu quälen. Und ihnen damit einen entspannten Weg zur eigenen Reflektion und Verhaltensänderung öffnen.

Liebe Grüsse aus der Rosenbergstrasse (back to my room-mates),

Martin

  kathabeck wrote @

Lieber Martin,

danke fürs Ja zu „Ja zum Anfangen!“
Gerne quäle ich mich demnächst auch weniger (das mach ich in kathas welt ja eh nicht so oft)! Nachhaltig Leben macht selbstredend mehr Spass.😉 Allerdings ist ein Abwägen der Lage dessen, was denn „nachhaltig“ ist, in manchen Fällen halt nicht ganz so einfach.
Bei einfachen Konsumprodukten, die es „in grün“ gibt, ist die Lage natürlich klar. Auch wenns um Zug oder Auto geht.
Beim Skifahren könnte jemand aber auch sagen (je nach persönlicher Priorität): „Naja, also wenn ich da mit der Bahn hinfahre, dann produzier ich ja eh kaum CO2, und die Grasnarbe und der Bergwald interessieren mich nicht so sehr, wie der Klimawandel (und damit meine CO2 Emissionen).“
So, und meine Priorität ist jetzt erstmal, gemütlich ein Biokölsch (leckeres Hellers) mit Freunden zu trinken und Karnevalslieder zu üben.😉 Alaaf!
Hechzlische Jröße us Kölle nach St. Galle (und München),

Katha

p.s.: komme grade von einer Finanzmarktveranstaltung, Vorträge von Lucas Zeiser (FTD) und Dr. Kuno Fussel waren sehr interessant: http://tagen.erzbistum-koeln.de/ksi/programm/products/finanzmarkttagung?category=Tagungen%20/%20Foren&item=1&action=back&sc.uri=/ksi/programm/index.html&back.uri=calendarCenterShow(%27day%27,%205,%201,%202010);&navpage=1

  Daniel Überall wrote @

Hallo Katha,

für mich muss man die zwei Themen trennen:
a) (In)Konsequenz: niemand kann in der westlichen Welt 100% konsequent sein. Aber man kann sich jeden Tag redlich darum bemühen und dann ist Kritik daran eher als Versuch der Herabwürdigung anzusehen (meist von Leuten, die viel weniger konsequent sind)
b) das Skifahren: nahezu jede Massenaktivität greift in das Ökosystem ein, außer man ist ein Na’vi auf Pandora🙂, weshalb ich eine Zentralisierung gar nicht schlecht finde. Sicherlich wächst in so einem Skigebiet nix mehr und schön sind die Liftanlagen auch nicht, aber dafür werden eben andere Gebiete unter Naturschutz gestellt. Wahrscheinlich lässt sich dieses Dilemma bei unserer Bevölkerungsdichte gar nicht anders regeln. Hätte nicht gedacht, dass ich sowas mal denke oder schreibe, aber für mich läuft es auf nachhaltigen Massentourismus raus. Was meint Ihr?

  Matze Bio wrote @

Ich nehms dir nicht übel😉
solange du dich bemühst und alles dafür tust so nachhaltig zu leben wie möglich, kann man dir nichts vorwerfen…
und der der frei von schuld ist werfe den ersten stein…soll heißen nur jemand der von sich behaupten kann absolut nachhaltig zu leben hat das recht dich in irgendeiner form dafür zu „verurteilen“…
in diesem sinne: viel spaß weiterhin beim skifahren😀

  1. Geburtstag – juchhe! « kathas welt wrote @

[…] Das mit dem Ski-Fahren […]

[…] nicht alles perfekt geht, das beschreibe ich auf kathas welt ja immer mal wieder (s. die Krux oder Das mit dem Skifahren). Wir sind eben alles Menschen. Nicht perfekt, aber lernfähig… Wie […]


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