kathas welt

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Und, liebe Natur, wen sollen wir wählen?

Wenn die Umwelt wählen könnte, dann wahrscheinlich irgendeine kommunistische Ökodiktatur (der EU Kommissar Verheugen hat übrigens Angst, dass wir da heute schon hindriften… s. hier), die alle Produktion gemütlich herunterfährt und nur noch zwanghaft Bäume pflanzen und die Menschen von Luft und Liebe leben ließe. Dat wollema nit, würde der Kölner sagen. (Liebe is zwar ne schöne Sache, aber mer wolle ja schließlich auch noch Kölsch und sonstiges leckeret Essen. Nur Luft, nein danke!)

(Übrigens habe ich grade noch ein Buch im Internet gefunden, das „Die Ökodiktatur“ heißt, das ich aber nicht gelesen habe, ich also auch nichst dazu sagen kann. Schauts euch an, wenn ihr mögt.)

Der KandidatInnen-Check

Bild 4

Die Frage, wen „wir wählen sollen“, ist natürlich eine rhetorische, die kann ich ja gar nicht beantworten. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Allerdings gibt es jetzt vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) einen KandidatInnen-Check, auf dem man schauen kann, wie die DirektkandidatInnen für den Bundestag (Erststimme am 27. September)  in unseren Wahlkreisen zu Atomausstieg, Neubau von Kohlekraftwerken, Gentechnik und sonstigen ökologischen Fragen stehen. Das finde ich doch mal eine ganz nette Idee, die über den Wahl-O-Maten hinausgeht, der allerdings auch zu empfehlen ist (der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl steht leider noch nicht online, daher kann ich euch hier nur den Link zur wikipedia-Seite geben). Da kann man ganz insgesamt mal seine eigenen Ansichten mit denen der Parteien abgleichen und schauen, ob die prinzipiell favorisierte eigene Partei auch wirklich mit dem übereinstimmt, was man selbst möchte.

Wer insgesamt die harten Fakten über das Wahlgeschehen im „Superwahljahr“ (ah, dieses Wort!) ansehen möchte, kann sich über Termine und Rechtliches auf der Seite des Bundeswahlleiters informieren.

Ist Kernenergie gar teurer als Erneuerbare???

ökoinstitut_logoUnd noch einmal zu einem heißen Thema in der Energiedebatte: der Kernenergie. Eine von Umweltminister Gabriel in Auftrag gegebene Studie des Ökoinstituts kommt übrigens zu dem Ergebnis, dass es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Kernkraft und Strompreisniveau gibt (eine kurze Zusammenfassung gibt es auf Utopia.de); im Gegenteil, die Preise könnten sogar eher steigen, wenn wir an der Kernenergie festhalten. „Von Laufzeitverlängerungen würden nur die Konzerne profitieren“, heißt es in der Studie, die ihr hier runterladen könnt. Man sollte also gut nachdenken und seine Argumente überprüfen, wenn man behauptet, der Atomausstieg koste den Bürger immense Summen.

Warum reden wir nicht mal über was anderes?

Ich persönlich verstehe sowieso nicht, warum alle so viel über die Kernenergie reden. Ein Grund für meine Einstellung (neben meiner persönlichen Abneigung gegen für immer strahlenden Atommüll, den man nirgendwo „endlagern“ kann!) ist die pragmatische Seite: Es ist einfach im Moment nicht machbar, wirklich viele neue Kernkraftwerke zu bauen. Es gibt nämlich weltweit nur eine Firma, die die aus einem Guss hergestellten Hochleistungs-Kernkraftwerks-Reaktoren herstellen kann, die man für die Hochleistungs-Kernkraftwerke braucht, die geplant sind. Und diese Firma kann pro Jahr nur 5,5 davon produzieren. Das ist doch viel zu wenig, um ernsthaft über die Kernenergie als Lösung für die weltweite Energienachfrage nachzudenken. Wir brauchen andere Wege, um unseren Energiebedarf zu decken. Und wir sollten über wichtigeres reden, als über Kernenergie. Denn in China bspw. gehen pro Woche mindestens zwei neue Kohlekraftwerke ans Netz, das sind immense Steigerungen der CO2-Emissionen; die Teilchenanzahl der Klimagase in der Atmosphäre nimmt dramatisch zu, und damit steigt die Temperatur, und damit steigt der Meeresspiegel, die Dürren, der Hunger und alles, was sonst leider noch dazugehört.

Warum redet darüber keiner? Oder anders, denn es reden ja doch bereits einige darüber: Warum reden wir immer noch so viel und heiß über Kernkraft und nicht über das Essentielle, nämlich wie wir den Klimawandel wirklich stoppen können? Weil das Thema zu unemotional ist? Weil wir in Deutschland keine Überschwemmungen zu erwarten haben und keine Klimaflüchtlinge sein werden? Weil es zu viel Lobbymacht in Deutschland gibt?

Ich finde, jeder sollte zumindest die Zahl 350 kennen…😉 Und dann schaun wir einfach, wer im Herbst gewählt wird!

7 Kommentare»

  Maiken wrote @

Danke, dass Du hilfst, 350 bekannt zu machen! Bitte plane auch in Deiner Stadt eine Aktion fuer den 24.10. (siehe http://www.350.org), um den Druck auf die Politiker, udn das verstaendnis der Bevoelkerung zu erhoehen!

  kathabeck wrote @

Dank einer guten Freundin (Verena), die in Maschinenbau promoviert, habe ich nun das Wort „Atomenergie“ in „Kernenergie“ geändert. Wie sie angemerkt hat, ist das Wort „Atomenergie“ politisch aufgeladen und „Kernenergie“ der korrekte physikalische Begriff.
Das ist ganz im Sinne meines Ziels einer „Ent-Emotionalisierung“ der Debatte!

  hermann wrote @

und wo bitte bleibt die Kunst?

Ich würde gerne mein Klimaflüchtlingslager – siehe bei Google unter world climate refugee camp – auch in Köln aufschlagen…

Denn: ONLY ART WILL STOP CLIMATE CHANGE

Grüße

  Martin Herrndorf wrote @

Hallo Hermann,

ONLY REGULATION AND INVESTMENTS WILL STOP CLIMATE CHANGE.

Womit bewiesen wäre: „only“ ist oft ein gefährliches Wort und wer in Grossbuchstaben schreibt hat manchmal, aber nicht zwingend immer Recht. Und Kunst ist sicher eine Massnahme für Bewusstseinswandel zum Thema sein, aber sicher nicht den Klimawandel stoppen. Mit etwas mehr Bewusstsein für das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Feldern bekommen wir das dann vielleicht hin…

  kathabeck wrote @

Hallo Hermann. Wie man Bankwesen künstlerisch erfahren kann, dazu bietet das Institute for Social Banking übrigens Anfang Dezember ein Seminar an. Mehr Infos unter http://www.social-banking.org/isb-seminare/allgemeine-seminare/social-banking-alanus/

  kathabeck wrote @

Martin, stimme dir zu, „only“ ist wahrhaftig ein schwieriges Wort. Klimawandel ist ein solch komplexes Phänomen, dass da ein einziger Ansatz auf keinen Fall ausreicht, um ihn „aufzuhalten“!

  Stefan wrote @

heute gabs einen ganz interessanten Artikel im Spiegel zur Atom-(Kern-)energie-Debatte:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,655684,00.html

Grüße

Stefan


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